Paartherapie in Paderborn
Es fängt mit der Spülmaschine an. Zehn Minuten später geht es um seine Mutter, um den Urlaub vor drei Jahren und darum, dass sie ihm nie zuhört. Beide wissen, wie der Abend endet. Er geht in den Keller, sie bleibt in der Küche. Am nächsten Morgen tut man so, als wäre nichts gewesen. Bis zum nächsten Mal.
Viele Paare halten das für ein Kommunikationsproblem. Ich sehe es anders. Die beiden in der Küche reden sehr deutlich miteinander, nur über etwas anderes, als sie glauben. Sie verhandeln, was der andere von ihnen hält. In meiner Praxis in Paderborn arbeite ich mit Paaren daran, diese zweite Ebene sichtbar zu machen.
- Vom Verhalten zum Urteil über den Menschen
- Das Erstgespräch zu zweit
- Was hinter dem Streit steht
- Strategien, die das Verstehen verhindern
- Wer drängt, wer weicht aus: der Kiesler-Kreis
- Was Sie aus früheren Beziehungen mitbringen
- Wie es nach dem Erstgespräch weitergeht
- Wann eine Paartherapie nicht der richtige Rahmen ist
- Kosten
- Häufige Fragen
- Erstgespräch reservieren
Vom Verhalten zum Urteil über den Menschen
„Du hast schon wieder nicht angerufen.“ Das ist eine Beobachtung. Gemeint ist im Streit aber fast immer mehr: „Du bist eben rücksichtslos.“ Und gehört wird oft noch etwas Drittes: „Egal, was ich mache, ich bin nicht gut genug.“
In wenigen Sekunden ist aus einem vergessenen Anruf ein Urteil über einen ganzen Menschen geworden, über den Partner und über sich selbst. Ab diesem Moment geht es nicht mehr um den Anruf. Es geht darum, das Urteil abzuwehren. Deshalb fühlen sich beide im Recht, und deshalb fühlen sich beide allein.
Mein Grundsatz dafür ist einfach. Verhalten darf man kritisieren, auch deutlich. Der Wert des anderen steht dabei nicht zur Debatte, und Ihrer auch nicht. Wenn ein Paar diese beiden Ebenen wieder auseinanderhält, ist die Spülmaschine wieder eine Spülmaschine.
Das Erstgespräch zu zweit
Zum Erstgespräch kommen Sie am besten gemeinsam. Es dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro. Reservieren Sie im Kalender einfach ein Erstgespräch, einen eigenen Termin für Paare gibt es dort nicht.
Zuerst erzählt jeder von Ihnen, was ihn hergeführt hat. Ohne Unterbrechung, auch wenn der andere es ganz anders sieht. Das ist für viele Paare schon ungewohnt. Dann bitte ich Sie um eine einzige Szene, meist den letzten Streit. Wir gehen sie langsam durch: Was ist passiert? Was hat jeder von Ihnen in diesem Moment gedacht, was daraus geschlossen, wie hat er es bewertet? Und was hat er dann getan, um mit der Lage fertigzuwerden?
An dieser einen Szene zeigt sich oft schon viel. Welche Bewertung den Streit bei jedem von Ihnen anheizt. Welche Strategie jeder wählt, um sich zu schützen. Und wie die beiden Strategien ineinandergreifen. Am Ende des Gesprächs sage ich Ihnen, was ich gesehen habe, ob mein Angebot zu Ihrem Anliegen passt und ob zusätzlich je eine Einzelsitzung sinnvoll ist. Entscheiden müssen Sie an diesem Tag nichts.
Vorbereiten können Sie sich mit einer Frage, die jeder für sich beantwortet: Woran würde ich in einem halben Jahr merken, dass sich zwischen uns etwas verändert hat? Bitte konkret. „Wir verstehen uns wieder“ reicht nicht. „Wir können über Geld reden, ohne dass einer den Raum verlässt“ schon.
Was hinter dem Streit steht
Der Streit ist das Symptom. Daran arbeiten wir direkt, mit Absprachen, Gesprächsregeln und dem Satz, der sonst nie gesagt wird. Es geht aber auch darum, an den Ursachen zu arbeiten. Dafür nutze ich die Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik nach Dr. Harlich H. Stavemann, kurz PKP. Problemorientiert heißt, dass wir bei Ihren eigenen Szenen anfangen. Kognitiv heißt, dass es um die Gedanken geht, die jeder von Ihnen dabei hat. Psychodiagnostik heißt, dass wir diese Gedanken genau untersuchen, bevor wir etwas verändern.
In Partnerschaften begegnen mir zwei der drei Grundprobleme der PKP besonders oft. Häufig hat jeder Partner sein eigenes.
Selbstwert. Kritik des Partners wird zum Urteil über die eigene Person. Wer so erlebt, muss sich verteidigen oder zurückschlagen. Oder er verstummt. Manche brauchen die Zustimmung des anderen als Beweis, etwas wert zu sein, und sagen deshalb kaum Nein, bis sich über Jahre ein stiller Groll angesammelt hat. Andere können nicht nachgeben, weil Nachgeben sich anfühlt wie verlieren.
Frustrationsintoleranz. Hier lautet die Regel: Der andere muss doch sehen, was zu tun ist. Dass er es nicht tut, wird als unerträglich erlebt, und der Ärger kommt schnell und heftig. Die stille Variante sieht anders aus. Unangenehme Gespräche werden so lange verschoben, bis sich zehn Themen angestaut haben und eines davon explodiert.
Beides passt erstaunlich oft zusammen. Der eine fordert, weil er Ungerechtigkeit nicht aushält. Die andere zieht sich zurück, weil jede Forderung sich anfühlt wie: Du genügst nicht. Seltener spielt ein existenzielles Problem mit hinein, etwa eine tiefe Angst, verlassen zu werden und allein nicht bestehen zu können. Welche Grundprobleme bei Ihnen beiden wirken, klären wir an Ihren Szenen. Mehr zur PKP
Strategien, die das Verstehen verhindern
Jeder Mensch hat Strategien, um mit Kränkung, Druck und Unsicherheit umzugehen. Im Streit laufen sie meist automatisch ab. Einige begegnen mir in der Paartherapie immer wieder:
- Vorwurf statt Wunsch. Aus „Ich hätte gern, dass du mich anrufst“ wird „Du denkst nie an mich“.
- Rückzug und Schweigen. Der Keller oder das Handy.
- Nachgeben und Nachtragen. Heute Ja sagen, in drei Wochen die Rechnung präsentieren.
- Gedankenlesen. „Er weiß doch genau, was ich meine.“
- Beweise sammeln. Jede Verspätung wird abgespeichert, für den nächsten Streit.
Ich frage bei jeder Strategie, welchen Auftrag sie erfüllen soll. Der Rückzug soll vielleicht vor der nächsten Kränkung schützen. Der Vorwurf soll sicherstellen, dass man endlich gesehen wird. Das ist verständlich. Nur erreicht die Strategie beim anderen oft das Gegenteil von dem, was sie erreichen soll. Wer sich zurückzieht, um Streit zu vermeiden, kann beim Partner genau die Verlassenheitsangst auslösen, die den nächsten Streit anfacht.
Wer drängt, wer weicht aus: der Kiesler-Kreis
Für das, was zwischen zwei Menschen passiert, nutze ich ein Modell des amerikanischen Psychologen Donald J. Kiesler, den sogenannten Kiesler-Kreis. Er ordnet zwischenmenschliches Verhalten auf zwei Achsen. Die eine reicht von bestimmend bis nachgiebig, fachlich dominant bis unterwürfig. Die andere reicht von zugewandt bis abweisend, fachlich freundlich bis feindselig. Daraus ergeben sich typische Beziehungsstile, etwa freundlich-nachgiebig, bestimmend-abweisend oder abweisend-nachgiebig, also das Schmollen, Ausweichen und „Mir egal“.
Spannend wird das Modell durch eine Beobachtung: Verhalten lädt ein bestimmtes Gegenverhalten ein. Wer bestimmt, lädt den anderen ein nachzugeben. Freundlichkeit lädt zu Freundlichkeit ein, Abweisung zu Abweisung. Ein Partner, der Druck macht, und einer, der sich bockig zurückzieht, halten sich so gegenseitig in ihrer Rolle fest. Jeder sieht nur die Hälfte, die der andere beiträgt.
Kein Stil ist an sich falsch. Wer nie bestimmen kann, ist genauso festgelegt wie jemand, der immer bestimmen muss. Schwierig wird es, wenn ein Stil starr wird und in jeder Lage derselbe bleibt. Häufig sind es Persönlichkeitsanteile, die sich irgendwann bewährt haben: der Anteil, der sich anpasst, damit Ruhe ist, oder der Anteil, der kämpft, damit er nicht übergangen wird. In der Therapie bestimmen wir, wo jeder von Ihnen im Kreis meistens steht und welche Bewegung im Streit abläuft. Danach üben Sie, an einer Stelle bewusst anders zu antworten, als der andere es erwartet.
Was Sie aus früheren Beziehungen mitbringen
Im Streit reagiert selten nur der Erwachsene von heute. Wer früh erlebt hat, dass Schweigen Liebesentzug bedeutet, gerät in Panik, wenn der Partner sich zurückzieht. Wer gelernt hat, dass Nähe vereinnahmt, braucht Abstand, sobald der andere drängt. Wer als Kind nur durch Leistung Anerkennung bekam, hört in einer Bitte schnell eine Bewertung.
Diese Bindungserfahrungen werden zu Erwartungen. Sie laufen leise mit und färben, wie jemand das Verhalten des Partners deutet. Im Kiesler-Kreis-Training spricht man von Prägungen durch wichtige Bezugspersonen. Wir schauen gemeinsam darauf, welche Menschen Sie geprägt haben und welche Erwartung daraus entstanden ist. Etwa: Wenn ich zeige, was ich brauche, werde ich abgewiesen. Ihre Eltern anzuklagen ist dabei nicht der Sinn. Es geht darum, die alte Erwartung von dem Menschen zu unterscheiden, der heute neben Ihnen sitzt.
Wo frühe Erfahrungen besonders schwer wiegen, kann es sinnvoll sein, daran zusätzlich in Einzelsitzungen zu arbeiten. Mehr dazu im Beitrag zu Bindungstrauma und Entwicklungstrauma.
Wie es nach dem Erstgespräch weitergeht
Die Paarsitzungen dauern 60 Minuten. Neben den gemeinsamen Sitzungen gibt es je nach Anliegen eine Einzelsitzung für jeden. Das gilt dann für beide gleich.
Zwischen den Sitzungen bekommen Sie Aufgaben für den Alltag. Ein Gespräch pro Woche nach festen Regeln. Ein vereinbartes Stoppsignal, wenn es kippt. Oder den Satz, den Sie sich seit Monaten verkneifen, freundlich ausgesprochen. Rückfälle in alte Muster gehören dazu. Wir besprechen sie, bevor daraus wieder ein Grabenkrieg wird.
Wie viele Sitzungen nötig sind, hängt davon ab, wie festgefahren die Lage ist. Einfluss haben Sie beide auf Ihren eigenen Teil. Eine Garantie, wie der andere reagiert, gibt es nicht, auch in der Paartherapie nicht.
Wann eine Paartherapie nicht der richtige Rahmen ist
Die Paartherapie setzt voraus, dass Sie beide bereit sind, auf den eigenen Anteil zu schauen und nicht nur auf den des anderen. Das gilt für jede Form von Partnerschaft.
Nicht passend ist das Angebot, wenn in der Beziehung Gewalt ausgeübt wird. Dann geht Schutz vor. Hilfe gibt es rund um die Uhr beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 und beim Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 99 00, im Notfall unter 112.
Kosten
Die Praxis ist eine Selbstzahlerpraxis. Das Erstgespräch kostet 50 Euro, eine Paarsitzung von 60 Minuten 120 Euro. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen Paartherapie nicht. Alle Gebühren
Quellen: Beitragsbild: Vitaly Gariev, Kiesler, D. J. (1983): The 1982 Interpersonal Circle. A taxonomy for complementarity in human transactions. Psychological Review 90 (3), 185–214. Guhn, A., Köhler, S. und Brakemeier, E.-L. (2019): Kiesler-Kreis-Training. Manual zur Behandlung interpersoneller Probleme. Weinheim: Beltz.
