Selbstwertprobleme und starke Selbstabwertung: Psychotherapie in Paderborn

Eine Frau sitzt in einem abgedunkelten Wohnzimmer auf dem Sofa und stützt den Kopf in die Hand

Menschen, die mit Selbstwertproblemen in meine Praxis in Paderborn kommen, erzählen oft von Momenten wie diesem. Sie haben einer Freundin ein paar Zeilen geschrieben, einen Vorschlag für Samstag. Zwei Stunden später ist die Nachricht gelesen, eine Antwort kommt nicht. Sie lesen Ihren Text ein zweites und ein drittes Mal, und bis zum Abend ist aus der offenen Frage eine Gewissheit über Sie selbst geworden.

„Kein Wunder. Ich bin eben anstrengend.“

So offen zeigt sich die Selbstabwertung allerdings selten. Anlass für den ersten Termin sind meist die Begleiterscheinungen, etwa langes Grübeln nach Kritik oder anhaltende Scham. Wie jemand über sich urteilt, kommt oft erst im Gespräch zur Sprache.

Was ein Selbstwertproblem ist

Selbstkritik gehört zum Alltag. Wer nach einem Vortrag denkt, er habe zu schnell gesprochen, bewertet eine Leistung und kann daraus lernen. Schwierig wird es, wenn aus „Das war zu schnell“ der Satz „Ich kann nichts“ wird, denn dann gilt das Urteil plötzlich der ganzen Person.

Harlich H. Stavemann, Andreas Scholz und Katrin Scholz beschreiben den Selbstwert als den Wert, den sich ein Mensch nach Regeln zuschreibt, die ihm teils klar, teils kaum bewusst sind. Von einem Selbstwertproblem sprechen sie, wenn diese Regeln unangemessen sind und vermeidbares seelisches Leid nach sich ziehen. Kennzeichnend ist die Verallgemeinerung: Ein Merkmal oder ein Misserfolg wird so behandelt, als sage er etwas über den ganzen Menschen aus. Die IKVT geht davon aus, dass solche Regeln erworben sind. Was gelernt wurde, lässt sich auch überprüfen.

  1. „Sie antwortet nicht.“
  2. „Ich habe etwas Falsches geschrieben.“
  3. „Ich bin anstrengend.“

Der Gedanke springt von der Beobachtung über eine Vermutung zum Urteil über die eigene Person.

Woran sich starke Selbstabwertung zeigt

Von außen fällt starke Selbstabwertung oft kaum auf. Eine sachliche Rückmeldung im Beruf beschäftigt Sie noch am Wochenende, und ein Kompliment wehren Sie ab, weil es nicht stimmen kann. Zusagen fällt Ihnen leichter als Absagen, auch wenn Sie viel lieber Nein sagen würden.

Bei anderen zeigt sich das Gegenteil. Kritik prallt scheinbar ab, und Fehler liegen grundsätzlich bei den Umständen oder bei anderen Menschen. Ein eingestandener Fehler wäre für diese Menschen ein Beleg gegen den eigenen Wert, also wird er abgewehrt. Häufige Begleiter sind Scham, die Angst vor Ablehnung und Niedergeschlagenheit, mehr dazu im Beitrag Angst, Scham und Schuld verstehen.

Typische Denkmuster bei Selbstwertproblemen

Stavemann und seine Mitautoren beschreiben eine Reihe von Denkstilen, die bei Selbstwertproblemen immer wieder auftreten. Gemeint sind Muster, die jeder Mensch zeitweise zeigen kann. Vier davon begegnen mir in der Praxis besonders oft.

Applausfetischismus

„Hauptsache, die anderen sind zufrieden.“ Sie stellen eigene Wünsche zurück und richten sich nach dem, was andere vermutlich erwarten.

Punktekämpfer

„Wer nachgibt, hat verloren.“ In Diskussionen müssen Sie recht behalten und im Vergleich vorn liegen. Ein Zugeständnis fühlt sich an wie eine Niederlage, die Sie als Person kleiner macht.

Erwachsene Küken

„Ich kann das sowieso nicht.“ Sie trauen sich nach außen weniger zu, als Sie können. Wer gar nicht erst antritt, kann im Vergleich auch nicht unterliegen.

Versicherungsdenken

„Das geht bestimmt schief.“ Sie reden Ihre Aussichten vorab klein. Geht etwas schief, war es erwartet und muss nicht als Beweis gegen Sie selbst gelten.

Selbstwert stärken oder Maßstab prüfen?

Viele Ratgeber setzen darauf, den Selbstwert zu stärken, etwa mit Lob, mit Erfolgserlebnissen oder mit dem Satz „Ich bin wertvoll“. Das kann vorübergehend entlasten. Die Bewertungsregel selbst bleibt dabei oft ungeprüft, und wer seinen Wert an Erfolge knüpft, steht beim nächsten Misserfolg wieder zur Prüfung. Sätze wie „Ich bin wertvoll“ behalten das Gesamturteil bei und drehen nur sein Vorzeichen um.

In der IKVT steht diese Regel im Mittelpunkt. Wir untersuchen, wonach Sie den Wert eines Menschen bemessen und wer diesen Maßstab festgelegt hat. Aus Sicht der IKVT lässt sich kein sachlicher Maßstab für den Gesamtwert eines Menschen begründen. Beurteilen lassen sich einzelne Handlungen und Eigenschaften.

Wie ich in Paderborn arbeite

In meiner Praxis arbeite ich problemorientiert und kognitiv-psychodiagnostisch. Gemeint ist die Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik, kurz PKP. Am Anfang steht Ihr Problem, so wie es sich in bestimmten Situationen zeigt, etwa vor dem Gespräch mit der Vorgesetzten oder nach einer kritischen Bemerkung im Team. Kognitiv heißt, dass wir auf Ihre Gedanken in diesen Momenten schauen: Was nehmen Sie wahr, welche Schlüsse ziehen Sie daraus, und wie bewerten Sie das? Diagnostisch heißt, dass wir diese Bewertungen sorgfältig erheben, bevor wir etwas verändern.

Am Symptom, etwa der Angst vor Kritik, arbeiten wir direkt. Daneben klären wir, welches Problem es hervorbringt. Die PKP unterscheidet drei Grundformen psychischer Probleme: Selbstwertprobleme, Frustrationsintoleranz und existenzielle Probleme. Ein typischer Hinweis auf ein Selbstwertproblem: Jemand weiß, was er tun könnte, und meidet es trotzdem, weil ein Misserfolg etwas über ihn als Person aussagen würde.

Diese Probleme können auch zusammenhängen. Jemand gerät zum Beispiel im Straßenverkehr regelmäßig in heftigen Ärger und wertet sich hinterher für diese Ausbrüche ab. Der Ärger gehört eher zur Frustrationsintoleranz, die Abwertung danach zum Selbstwert. Welches der beiden Probleme dem anderen zugrunde liegt, entscheidet mit darüber, womit wir beginnen.

Dafür untersuchen wir konkrete Situationen aus Ihrem Alltag, getrennt nach Situation, Gedanken und Reaktion. Ein erfundenes Beispiel:

SituationDonnerstag, 18 Uhr. Ihre Nachricht an die Freundin wurde vor zwei Stunden gelesen, eine Antwort fehlt.
Erster Gedanke„Sie hat keine Lust auf mich.“
Was daraus folgt„Ich bin anstrengend. Wer mich näher kennt, zieht sich zurück.“
ReaktionScham, ein Druck im Magen. Sie schreiben eine zweite Nachricht und entschuldigen sich für die erste.

Im sokratischen Gespräch prüfen wir die einzelnen Schritte. Woran erkennen Sie, dass Ihre Freundin keine Lust hat, und welche anderen Gründe kämen infrage? Folgt aus einer fehlenden Antwort, dass Sie anstrengend sind? Was würden Sie einem guten Bekannten sagen, dem dasselbe passiert? Und hilft Ihnen diese Sichtweise, die Freundschaft so zu pflegen, wie Sie es möchten?

Die neue Sichtweise erarbeiten Sie selbst, aus dem, was der Prüfung standhält. Sie könnte etwa so lauten:

„Ich weiß nicht, warum sie noch nicht geantwortet hat. Meine Nachricht kann ich beurteilen. Ein Urteil über mich als ganzen Menschen folgt daraus nicht.“

Vom Verstehen zum Üben

Eine Einsicht, der Sie nur zustimmen, verändert im Alltag wenig. In der IKVT spricht man vom Prinzip des Bahnens: Ein oft durchlaufenes Bewertungsmuster springt schneller an als ein neues. Ziel des Übens ist, dass die neue Sichtweise auch unter Druck abrufbar wird.

Schwierige Situationen spielen wir deshalb zuerst gedanklich durch, bevor Sie kleine, vorher vereinbarte Schritte im Alltag gehen, etwa eine Bitte abzulehnen oder einen eigenen Fehler einzuräumen, ohne sich dabei herabzusetzen. In der folgenden Sitzung besprechen wir, was geschehen ist und welche alten Gedanken sich gemeldet haben. Rückfälle in alte Muster sind beim Üben häufig und gehören ebenfalls in die Sitzung. Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, ist individuell verschieden.

Buchcover „Selbstwert neu denken“ von Ralf Baumhöfer

Zum WeiterlesenWie Selbstabwertung entsteht und wie Sie Ihre eigenen Bewertungsregeln prüfen können, beschreibe ich in meinem Buch „Selbstwert neu denken“, mit einem Arbeitsblatt zu jedem der 36 Kapitel.

Erstgespräch bei Selbstwertproblemen in Paderborn

Im Erstgespräch in meiner Praxis in der Friedrichstraße 45 schildern Sie, in welchen Situationen Sie sich abwerten und was Sie bereits versucht haben. Gemeinsam klären wir, ob mein Angebot zu Ihrem Anliegen passt. Sitzungen sind auch per Video möglich.

Für den Anfang genügt ein Satz wie dieser:

„Ich werte mich oft selbst ab und möchte verstehen, woher das kommt.“

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Häufige Fragen zu Selbstwertproblemen

Ist ein geringer Selbstwert eine psychische Störung?

Weder die ICD-10 noch die ICD-11 führen einen geringen Selbstwert als eigene Störung. Er kann aber Teil einer Diagnose sein, etwa einer depressiven Episode. Ob eine psychische Störung vorliegt, prüfe ich ab dem Erstgespräch.

Was unterscheidet diese Arbeit von positivem Denken?

Positive Sätze ersetzen ein negatives Gesamturteil durch ein positives. In der IKVT wird geprüft, ob sich ein Gesamturteil über einen Menschen überhaupt begründen lässt. Beurteilt werden einzelne Handlungen und Eigenschaften.

Woran merke ich, dass mein Selbstwert eine Rolle spielt?

Achten Sie darauf, was Sie über sich denken, wenn etwas schiefgeht. Bleibt es bei „Das war ungeschickt“, oder wird daraus „Ich bin ein Versager“? Wird aus dem ersten Satz regelmäßig der zweite und belastet Sie das, kann ein Selbstwertproblem dahinterstehen. Klären lässt sich das im Gespräch.

Wie beginnt die Arbeit in Ihrer Praxis in Paderborn?

Mit einem Erstgespräch, das Sie online reservieren. Danach entscheiden Sie, ob Sie weitermachen möchten.

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Quellen

  1. Stavemann, H. H., Scholz, A. & Scholz, K. (2020): Integrative KVT bei Selbstwertproblemen. Weinheim: Beltz.

Beitragsbild: Foto: Annie Spratt / Unsplash. Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik. Wenn Sie an Suizid denken, wenden Sie sich bitte sofort an die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 (kostenfrei, rund um die Uhr) oder wählen Sie im Notfall 112.